Von der Leinwand zur Torpedotechnik

Meldung vom 9. November 2020,
Allgemein

Am 9. November wird der Tag der Erfinder gefeiert – und der Geburtstag von Hedy Lamarr

„Man braucht kein Geld“, „Ekstase“ und „Algiers“. Hedy Lamarr ist Filmfans vor allem als Hollywood-Star ein Begriff. Kaum einer weiß, dass die gebürtige Österreicherin eine Funkfernsteuerung für Torpedos erfunden hat. Das dabei verwendete Frequenzsprungverfahren wird heute beispielsweise bei Bluetooth verwendet.

Aber der Reihe nach. Hedwig Eva Maria Kiesler wird 1914 in Wien als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin geboren. Mit 16 steht sie für ihren ersten Film vor der Kamera, ein Jahr später spielt sie an der Seite von Heinz Rühmann in „Man braucht kein Geld“ ihre erste Hauptrolle.
Mit der Schauspielerei war es nach ihrer Hochzeit mit dem Wiener Waffenfabrikanten Fritz Mandl aber erst einmal vorbei. Stattdessen erhielt sie als Frau eines Industriellen, der mit den Nationalsozialisten Geschäfte machte, wohl Einblicke in geheime Informationen auch im Bereich der Funktechnik.

Zwar verlies sie ihren Mann 1937 und ging nach Paris, allerdings entwickelte sie gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil eine Funkfernsteuerung für Torpedos und nutzte ihr erworbenes Wissen über Funktechnik. Das Besondere an ihrer Erfindung sind die selbsttätig wechselnde Frequenzen, die nur schwer anzupeilen und dadurch weitgehend störungssicher sind.

Eigentlich hatten Lamarr und Antheil nur verschiedene Musikspuren untereinander und mit einem Film synchronisieren wollen. Dabei nutzten sie verschiedene gleichzeitig ablaufende Lochsteifen, wie man sie etwa aus Spieluhren kennt. Nach mehreren Monaten Arbeit präsentierten sie ihre Idee im Dezember 1940 dem Erfinderrat, dessen Vorsitzender sich dafür einsetzte, die Idee patentieren zu lassen. Am 11. August 1942 war es dann soweit: Die Idee wurde als Erfindung patentiert.

Im Zweiten Weltkrieg kam die Funkfernsteuerung allerdings nie zum Einsatz, das sie als zu komplex galt. Als man sich wieder an die Technik erinnerte, war das Patent bereits abgelaufen. Im Rahmen der Kuba-Krise in den 1960er Jahren legte man die Technik der Entwicklung von digitalen Mobilfunknetzen zugrunde. Die gebührende Aufmerksamkeit bekam die Erfinderin trotzdem lange nicht. Erst 1997 verlieh man ihr den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award.

Heute gilt Hedy Lamarr als Prototyp eines Erfinders oder vielmehr einer Erfinderin, weil sie nicht durch jahrelange Forschung etwas entwickelte, sondern aufgrund einer Entdeckung ihre Idee umsetzte.

Hedy Lamarr als Delilah und George Sanders als König von Gaza in „Samson und Delilah“ (1949). Foto: skeeze/Pixabay

teilen