Tagung zum sowjetischen neuen Menschen
Meldung vom 19. November 2025,
Allgemein
Der sowjetische „Neue Mensch“ – Transformationen des russlanddeutschen kulturellen
Gedächtnisses: Ideal, Realität und Nachwirkungen bis in die Gegenwart
Vom 14. bis 15. November 2025 fand eine interdisziplinäre Tagung statt, die sich dem zentralen ideologischen Leitbild des sowjetischen „Neuen Menschen“ und dessen Bedeutung für die Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen widmete. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichts-, Kultur-, Sozial- und Literaturwissenschaften diskutierten aktuelle Forschungsergebnisse und neue Perspektiven auf ein Konzept, das über Jahrzehnte hinweg das Leben in der Sowjetunion prägte.
Die Figur des „Neuen Menschen“ – ein moralisch gefestigter, kollektiv orientierter und arbeitsamer Idealtyp – war seit den 1920er Jahren ein Kernbestandteil sowjetischer Programmatik. Sie beeinflusste politische Strategien, kulturelle Ausdrucksformen und soziale Praktiken bis zum Ende des sowjetischen Staates. Auch für die Russlanddeutschen spielte dieses Leitbild eine prägende Rolle: Es formte ihr Selbst- und Fremdbild, bestimmte Alltagserfahrungen und wirkt in verschiedenen Facetten bis in die heutige Migrationsgesellschaft hinein.
Die Tagung beleuchtete diese Zusammenhänge in drei thematischen Panels:
1. Konstruktionen und Brüche des Ideals – Wie entstand das Bild des „Neuen Menschen“, und an welchen Punkten zeigte sich die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit?
2. Kulturelle Repräsentationen und Nachwirkungen – Welche Formen fand das Ideal in Literatur, Medien, Erziehung und kulturellen Praktiken, und wie wandelten sich diese im Laufe der Jahrzehnte?
3. Folgen für Erinnerungskulturen – Welche Spuren hinterließ das Leitbild in Biografien russlanddeutscher Migrantinnen und Migranten, und wie prägt es bis heute kollektive und individuelle Erinnerung?
Zentrales Ziel der Tagung war es, historische Erfahrungen kritisch zu reflektieren und daraus Impulse für aktuelle gesellschaftliche Debatten abzuleiten. Die Diskussionen verdeutlichten, dass die Auseinandersetzung mit der sowjetischen Vergangenheit und ihren Nachwirkungen für das Verständnis heutiger Identitäts- und
Integrationsprozesse unverzichtbar ist – insbesondere in einer pluralen Migrationsgesellschaft.
Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit: Die Tagung hat nicht nur neue Forschungsperspektiven eröffnet, sondern auch den Austausch zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der russlanddeutschen Community gestärkt. Eine Publikation der Beiträge in Form eines Tagungsbandes ist in Vorbereitung.
Das Museum hat regulär Dienstag bis Freitag von 14-17 Uhr und Samstag von 10-16 Uhr geöffnet. Führungen können unter russlanddeutsche.de gebucht werden.
Quelle & Foto: Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte












