Auf Einladung des Präsidenten des Landtags, André Kuper, und des Vorsitzenden des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, Heiko Hendriks, wurde im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags mit rund 200 geladenen Gästen aus ganz Nordrhein-Westfalen der diesjährige „Tag der neuen Heimat“ zum Thema gefeiert. Im Mittelpunkt der diesjährigen Festveranstaltung stand der autobiografische Festvortrag von Kornelius Ens, Direktor des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. Gerahmt wurde die Veranstaltung durch einen Chor der August-Hermann-Francke-Schule unter der Leitung von Dr. Matthias Lang.

Nach einer musikalischen Eröffnung begrüßte der Präsident des Landtags, André Kuper, die Gäste und hieß sie im Landtag von Nordrhein-Westfalen herzlich willkommen.

In seinem Grußwort betonte André Kuper: „Der Tag der neuen Heimat erinnert uns daran, wie die Aussiedlerinnen und Aussiedler unser Land mit ihrer Erfahrung, ihrer Kultur und ihrem Mut bereichert haben. Ihre Geschichten zeigen, dass Heimat dort entsteht, wo Menschen einander respektieren und Verantwortung füreinander übernehmen. Diese Haltung stärkt nicht nur unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern ist ein wichtiger Pfeiler unserer Demokratie.“

In seinen einführenden Worten machte der Vorsitzende des Landesbeirats, Heiko Hendriks, deutlich, dass Lebenswege Menschen prägen. Dies gelte insbesondere für alle deutschen Heimatvertriebenen, für alle (Spät)aussiedlerinnen und (Spät)aussiedler, die ihre Heimat verlassen haben oder unfreiwillig verlasse mussten. In Bezug auf die Deutschen aus Russland stellte er fest, dass „unterschiedliche Einflüsse zu einer bemerkenswert vielfältigen kulturellen Ausprägung dieser „Community“ geführt haben. Die eigentliche Geschichte dieser deutlich über drei Millionen in Deutschland lebenden Personen ist aber leider weitestgehend unbekannt. Dabei ist feststellbar: Die alltäglich erlebte kommunistische Diktaturerfahrung prägte die Erinnerungskultur der Zugewanderten nachhaltig und generationenübergreifend“, so Hendriks wörtlich.

Den Festvortrag unter dem Titel „Heimat. Finden. – Chancen und Herausforderungen russlanddeutscher Kulturgeschichte“, hielt in diesem Jahr Kornelius Ens, Direktor des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. In seinem bewegenden autobiografischen Festvortrag ging er u.a. auf die Deportation seines Großvaters ein und machte deutlich, wer sehr diese Geschichte seiner Familie geprägt hat. Der unbändige Freiheitswunsch, den sein Großvater aus dem christlichen Glauben schöpfte, sei für ihn immer noch inspirierend. Heimat sei für ihn dort, wo man sich freiheitlich begegnet. Er ging auch auf die Herausforderungen ein, eine Erzählung russlanddeutscher Repressionserfahrungen im kollektiven Gedächtnis zu etablieren, da letztlich nicht auf eine etablierte Erzählkultur zurückgegriffen werden könne. Das er selbst so wenig über das Ausmaß und die Härte der Gulag-Erfahrungen seiner eigenen russlanddeutschen Community Bescheid wusste, und letztlich erst während des Studiums die unterschiedlichen Dimensionen in Erfahrung bringen konnte, stimme ihn nachdenklich.

Quelle: Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte

Foto: Landesbeirat NRW/Hermenau