Premiere: »Der zerbrochne Krug« von Heinrich von Kleist
Meldung vom 14. November 2025,
Allgemein
Der Dorfrichter Adam hat ein Problem: Neben dem Kampf mit den schwerwiegenden Folgen seines nächtlichen Alkoholkonsums, taucht auch noch sein Vorgesetzter Walter plötzlich auf, der die Rechtsprechung in der Provinz unter die Lupe nehmen will. So ist Adam genötigt, eine Gerichtsverhandlung zu leiten, in der er gegen sich selbst ermitteln muss. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht er dabei zu verhindern, dass es sich bei dem unbekannten Täter der letzten Nacht um ihn selbst handelt. Zwar geht es vordergründig »nur« um einen zerbrochenen Krug. Was aber schnell deutlich wird, ist, dass dieser Richter hier gegen sich selbst und sein ganzes Herrschafts-System ermitteln muss: Denn eigentlich steht die Ehre der höchst anständigen Eve auf dem Spiel und zunehmend wird deutlich, wie beschädigt sie bereits jetzt ist. Dem Dorfrichter schwant schon vor der Verhandlung, dass das für ihn nicht gut ausgehen könnte. Umso bemerkenswerter, dass diese Figur fast bereitwillig mitgeht in ihren Untergang. Adam versucht zwar mit allen Mitteln, zu vertuschen, dass es sich bei dem unbekannten Täter der vergangenen Nacht um ihn selbst handelt, wirkt darin aber vielfach wie ein Clown und schlittert immer tiefer in die absurdesten Falschdarstellungen.
Ein Kupferstich von Jean-Jacques André Le Veau, der einen zerbrochenen Krug in einem juristischen Rahmen zeigt, diente Heinrich von Kleist 1802 angeblich als Anlass für einen »poetischen Wettkampf« unter Freunden, aus dem »Der zerbrochne Krug« hervorging. Am Modell eines niederländischen Dorfgerichts im ausgehenden 17. Jahrhundert zeigt Kleist, dass institutionell nicht Recht gesprochen, sondern Macht ausgeübt wird. Und er lässt das Publikum teilhaben an der Gerichtsverhandlung eines verzweifelten Adam, der längst spürt, dass seine männliche Selbstherrlichkeit in der aktuellen Situation unhaltbar geworden ist.
Als Enthüllungsdrama um sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und Tatsachenverschleierung voll mit abgründigem Humor, stellt Kleist schließlich auch die Frage, wie es denn der geschädigten Eve geht, die lange schweigt und deren Stimme wichtiger denn je erscheint in einer Gesellschaft, die sich ihrer strukturellen Ungerechtigkeiten zunehmend bewusst wird.
In Detmold wird Heinrich von Kleists Werk von Katrin Hentschel in der Ausstattung von Jule Dohrn-Van Rossum im Detmolder Sommertheater inszeniert.
Premiere: Freitag, 21. November 2025, 19:30, Detmolder Sommertheater
Weitere Vorstellungen: Do 11.12. / Sa 27.12. / Mi 31.12.2025 (20:30 Uhr) / Sa 10.1. / Mi 14.1. / 16.2. / Mi 18.2. / 19.2. (11:00 Uhr) / Fr 20.2. / So 8.3.2026, jeweils 19:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben
Zusatzveranstaltungen rund um die Premiere:
EinführungsMatinee: So 16.11.2025, 11:30 Uhr, Rathaus Detmold, Sitzungssaal
NachSpiel — das Publikumsgespräch: Sa 10.1.2026, Detmolder Sommertheater
Quelle & Foto: Landestheater Detmold












