Das Automatenbüfett von Frau Adam ist Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Seebrücken und wird von sämtlichen wichtigen Herrschaften des Orts zur Zeit des sozialen Umbruchs in den Goldenen Zwanzigern frequentiert. Sie alle sind fasziniert von der technischen Sensation, mit der die geschäftstüchtige Wirtin Frau Adam imstande ist, große Mengen an Personal einzusparen: Ein Snackautomat, bestückt mit frischen Speisen, Getränken und sogar Musik.
Vom Lehrer bis zum Stadtrat treffen alle in der Wirtsstube aufeinander und gehen dort ihren spießbürgerlichen politischen Machenschaften nach. Alles geht seinen kleinstädtischen Gang – doch als Frau Adams Gatte eine junge Frau namens Eva vor dem Ertrinken rettet und nach Seebrücken ins Automatenbüfett bringt, gerät die soziale Ordnung zusehends aus den Fugen. Schnell wird klar, dass die Anwesenheit von Eva die Männergesellschaft ordentlich aufmischt – während die Herren nach ihr lechzen, fühlen ihre Ehefrauen sich bedroht von der jungen Fremden. Dazu gehört auch Frau Adam, die sich in ihrer Ehe mit Herrn Adam schon lange nicht mehr gesehen oder geliebt fühlt, insbesondere jetzt, wo ihr Ehemann die Ablenkung, die Eva ins Dorf bringt, nutzt, um seine eigenen visionären Ziele zum Aufbau der Fischzucht-Industrie in Seebrücken in die Tat umzusetzen. Stattdessen gerät Frau Adam in die Fänge des jungen Pankratz, der es mehr auf Frau Adams Geldbeutel und ihre Fürsorge abgesehen hat, als dass er ehrliche Gefühle für sie hegt…

Anna Gmeyners »Automatenbüfett« war über lange Zeit in Vergessenheit geraten – Gmeyner schrieb das Stück zu einer Zeit, in der sie bestens vernetzt war im Kulturleben der Weimarer Republik. Ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte Anna Gmeyner als Dramaturgin bei Erwin Piscator in Berlin und war damit Teil der künstlerischen und politischen Avantgarde dieser Zeit. 1932 erregte sie mit »Automatenbüfett« mehr Aufmerksamkeit als sich viele gedacht hätten. Das Stück wurde unter anderem in Hamburg (Uraufführung) und am Schauspielhaus Zürich aufgeführt. Während der Machtübernahme der Nationalsozialisten hielt sich die in Wien geborene Autorin bereits in Paris auf. Später zog sie nach London. Obwohl Anna Gmeyner auch im englischen Exil weiterschrieb, gerieten ihre Stoffe in Vergessenheit und wurden erst in den vergangenen Jahren langsam wiederentdeckt.

2020, dreißig Jahre nach ihrem Tod im Jahr 1991, wird »Automatenbüfett« am Burgtheater aufgeführt und anschließend zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Seither lief das Stück u. a. am Tiroler Landestheater, am Theater im Bauturm Köln und am Theater Aalen. Im Mai feiert es nun unter der Regie von Jan Steinbach Premiere am Landestheater Detmold, der sich mit dieser Inszenierung nach sieben Jahren als Schauspieldirektor vom Landestheater verabschiedet.

Premiere: Freitag, 2. Mai 2025, 19:30 Uhr, Großes Haus

Zusatzveranstaltungen rund um die Premiere:

Vis-à-vis: So 18.5.2025, 10:00 Uhr, Erlöserkirche am Markt
NachSpiel: Sa 10.5. und Sa 24.5.2025, Foyer-Restaurant
OberTexte und SubTöne: Di 13.5. 19:30, Kafka & Co.

Weitere Vorstellungen: Fr 9.5., Sa 10.5., Sa 24.5. (15:00 und 19:30 Uhr), So 25.5., Do 5.6.2025, jeweils um 19:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.

Quelle & Foto: Landestheater Detmold