Mit ihrem 2023 erschienenen Debütroman »22 Bahnen« hat Autorin Caroline Wahl einen Nerv getroffen, die Welt der Popliteratur aufgewirbelt und für Gesprächsstoff gesorgt. »22 Bahnen« erzählt von Tilda, Anfang 20, Mathematikstudentin und Kassiererin an der Supermarktkasse in einer öden Kleinstadt. Sie träumt von einem anderen Leben — doch ihre prekäre familiäre Situation steht ihr im Wege. Ihre Mutter ist alkoholabhängig, arbeitslos und verbringt die Tage meist komatös auf dem Sofa. Einen Vater gibt es nicht. Also liegt es an Tilda, sich neben Uni, Job und Haushalt auch noch um ihre zehnjährige Schwester Ida zu kümmern. Als Zufluchtsort dient den beiden das Schwimmbad, in dem Tilda ihre Bahnen zieht und Ida plantschend ihrem Alltag entflieht. Doch das tägliche Einerlei wird durcheinandergewirbelt, als Tilda auf den wortkargen Viktor trifft — und als sie ein verlockendes Angebot bekommt: Sie könnte eine Promotionsstelle in Berlin antreten. Doch was wäre dann mit Ida?

Tilda muss sich entscheiden, ob sie ihr eigenes Leben weiterhin hintanstellt, oder ob sie sich von ihren familiären Pflichtgefühlen frei machen und Ida sich selbst überlassen sollte. Caroline Wahl zeichnet in ihrem Roman zunächst ein düsteres Gesellschaftsbild, in dem junge Menschen lernen müssen, zu schwimmen, ob sie wollen oder nicht — Tilda hat keine Vertrauenspersonen, keine*n Psychotherapeut*in und keine*n Sozialarbeiter*in; ihre kleine Schwester ebenso wenig. Die Mutter schlägt Hilfsangebote aus und fällt nach jedem Schritt Richtung gesundes Leben wieder zurück in die Abhängigkeit.. Um sich das Aushalten etwas bequemer zu gestalten, dem Alltagskrieg zu entfliehen, setzt Tilda auf ihre meditativen 22 Bahnen im Schwimmbad, Muskelschmerz statt Kummer, es gilt: Kontrolle über das zu erlangen, was man kontrollieren kann, und alles andere loszulassen.

An das Jonglieren von Verantwortungen, das Abwägen von Lebensentwürfen und ein grundsätzliches Gefühl von Überforderung und Hilflosigkeit, das Tilda widerfährt, können zweifellos eine Vielzahl junger Erwachsener heutzutage andocken — und durch »22 Bahnen« Trost darin finden, dass sie nicht allein damit sind, und zumindest kurz darauf hoffen, dass für sie wirklich alles gut werden könnte.

Premiere: Samstag, 19. September 2026, 19:30 Uhr, Grabbe-Haus

Weitere Vorstellungen: Mi 23.9. / Do 24.9. / Sa 26.9. / So 27.9. / So 4.10. / Sa 10.10. / Fr 16.10. / Fr 23.10. / So 25.10. / So 1.11. / So 8.11. / Sa 12.12. / So 13.12. / Sa 26.12.2026, jeweils 19:30 Uhr

Zusatzveranstaltungen rund um die Premiere:

OberTexte & SubTöne: Di 6.10.2026, 19:30, Buchhandlung »Kafka & Co.«

NachSpiel — das Publikumsgespräch: Mi 23.9.2026

Quelle & Foto: Landestheater Detmold