Lippe nähert sich der Milliardengrenze

Meldung vom 19. April 2021,
Allgemein

Gutachterausschuss: Lippischer Immobilienmarkt trotz Corona weiter im Aufwärtstrend.

Kreis Lippe. Die Corona-Pandemie zeigt bisher keine Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Dies zeigt der Grundstücksmarktbericht 2021 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Lippe und in der Stadt Detmold. Dieser hatte in den letzten Monaten auf Grundlage von Kaufverträgen wichtige Grundstücksmarktdaten ausgewertet und das Ergebnis nun vorgelegt.

Mit 4575 registrierten Kaufverträgen wurden im Vergleich zu 2019 zwar rund 1 Prozent weniger Vertragsabschlüsse registriert, bemerkenswert ist allerdings die Steigerung des Geldumsatzes um 16 Prozent auf rund 892 Mio. Euro, so viel wie nie zuvor. „Lippe nähert sich folglich der Milliardengrenze“, so Dr. Stefan Ostrau, Vorsitzender des Gutachterausschusses.

„Die größten Teilmärkte stellen die bebauten Grundstücke dar, gefolgt von Wohnungs- und Teileigentum sowie unbebauten Flächen. Diese Daten dienen sowohl der breiten Öffentlichkeit als auch den am Immobilienmarkt tätigen Institutionen und Sachverständigen für die Ermittlung von Immobilienwerten“, erklärt Ulrike Dingerdissen, stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses.

Die höchsten durchschnittlichen Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser wurden in Oerlinghausen (330.000 Euro), in Leopoldshöhe (317.000 Euro) sowie in Detmold (289.000 Euro), Augustdorf (282.000 Euro) und Lage (267.000 Euro) erzielt. Die meisten bebauten Immobilien wurden in Detmold (251), Bad Salzuflen (191), Lemgo (146) und Lage (117) verkauft.

Das gebrauchte Einfamilienhaus in der Alterskategorie 2010-2018 mit 350 – 800 Quadratmeter Grundstücksfläche wurde in Lippe durchschnittlich mit 398.000 Euro gehandelt. In der Alterskategorie 1950 – 1974 wechselten die meisten Objekte (230) ihren Eigentümer, gehandelt wurden sie mit rund 200.000 Euro, gefolgt von der Alterskategorie 1975 – 1994 (110 Verträge) mit stolzen 280.000 Euro. Zwischen 1975 – 1994 errichtete Doppelhaushälften und Reihenendhäuser mit 250 – 500 Quadratmeter Grundstücksfläche wurden mit 290.000 Euro, die der Kategorie 1950 – 1974 mit rund 224.000 Euro veräußert.

„Die durchschnittliche Preissteigerung für Ein- und Zweifamilienhäuser beträgt damit neun Prozent gegenüber dem Vorjahr und gegenüber dem Bezugsjahr 2016 stolze 51 Prozent.“, erläutert Horst Koch, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses. Die Preissteigerung verläuft allerdings in den 16 lippischen Städten und Gemeinden unterschiedlich.

Im zweitstärksten Teilmarkt Wohnungseigentum sind im letzten Jahr rund 890 Objekte veräußert worden. Der Löwenanteil davon wurde in Detmold (235) und Bad Salzuflen (223) verkauft. Die durchschnittlichen Kaufpreise in Lippe für Wohnungen mit 60 – 100 Quadratmeter Wohnfläche betrugen in der Kategorie 1975 – 1994 rund 1465 Euro pro Quadratmeter, in der Kategorie 1995 – 2009 rund 1783 Euro pro Quadratmeter sowie in der Kategorie 2010 – 2018 rund 2620 Euro pro Quadratmeter.

Erhebliche Preissteigerungen sind auch bei den Baulandflächen zu verzeichnen: Rund 9 Prozent im individuellen Wohnungsbau, 5 Prozent im Geschosswohnungsbau sowie 5 Prozent bei Gewerbe- und Industrieflächen. Die Ackerlandpreise stagnieren, während die Grünlandpreise um 17 Prozent zugenommen haben. Eine besondere Situation ergibt sich bei forstwirtschaftlichen Flächen. In diesem Teilmarkt sind die Preise inklusive Aufwuchs um 14 Prozent gesunken.

Im Bereich des individuellen Wohnungsbaus sind die Preise in den letzten 3 Jahren um durchschnittlich 22 Prozent gestiegen. Die höchsten Grundstückspreise für gute Lagen wurden in Oerlinghausen und Lemgo (jeweils 250 Euro pro Quadratmeter), Bad Salzuflen (245 Euro pro Quadratmeter), Detmold (225 Euro pro Quadratmeter), Leopoldshöhe (215 Euro pro Quadratmeter), Schlangen (210 Euro pro Quadratmeter) und Lage (200 Euro pro Quadratmeter) erzielt.

Die Preissteigerung sowie die Verteilung der Kauffälle sind allerdings in den 16 lippischen Städten und Gemeinden unterschiedlich. Angesichts dieser lippischen Gesamtentwicklung ist die Investitionsbereitschaft in Immobilien weiterhin ungebrochen. Die Gefahr einer Immobilienblase sieht der Gutachterausschuss derzeit nicht. Die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt müsse man allerdings weiterhin aufmerksam beobachten. Die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt hänge zudem von der demographischen Entwicklung ab.

Immobilienmarktdaten unabhängiger Stellen tragen zur Transparenz und zum Verbraucherschutz bei. Dr. Ostrau: „Wir empfehlen Kaufinteressenten, sich über das dynamische Marktgeschehen zu informieren. Zur besseren Transparenz hat der Gutachterausschuss deshalb auf Grundlage der Kaufpreise digitale Bodenrichtwerte ermittelt und veröffentlicht.“ Immobilienmarktdaten sind gleichzeitig wichtige Indikatoren eines vorausschauenden Flächenmanagements. Es geht dabei auch um den Spagat, einerseits genügend Bauland bereitzustellen, andererseits um Flächensparen.

Grundstücksmarktdaten und Bodenrichtwerte sind kostenfrei verfügbar unter: https://www.boris.nrw.de/ oder http://geo.kreislippe.de/ sowie unter https://www.kreis-lippe.de/kreis-lippe/verwaltung-und-service/buergerservice/dienstleistungen/49-Grundstuecksmarktbericht.php.

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