Das Projekt MONOCAB steht vor dem nächsten großen Schritt: Einem erweiterten Testbetrieb mit
automatisierten Fahrfunktionen. Dabei wird der Einsatz der Einschienenfahrzeuge unter realen
betrieblichen Bedingungen erprobt. Landrat Meinolf Haase setzt sich dafür ein, dass die MONOCAB-
Entwicklung in Lippe bleibt. Dafür übernimmt er ab sofort die Schirmherrschaft des Projekts. „Lippe
ist und bleibt ein Reallabor für die Mobilität der Zukunft. MONOCAB ist im Kreis geboren und wird
auch von hier aus groß werden. Wir haben vor Ort die besten Voraussetzungen für die
praxistaugliche Umsetzung“, betont der Landrat. Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen
Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), bestätigt dies und ergänzt: „Eine Schirmherrschaft
bedeutet Verantwortung und Unterstützung für ein Projekt. Ohne das langjährige Engagement der
lippischen Verwaltungsspitzen wäre es nicht gelungen, dieses große Vorhaben überhaupt in
Bewegung zu setzen.“
Aktuell gibt es rund ein Dutzend Anfragen aus Deutschland und dem Ausland bezüglich möglicher
Teststrecken. Auf Initiative des Kreises hat die TH OWL jetzt einen Förderantrag für einen
erweiterten Testbetrieb ab 2027 auf der Begatalbahn gestellt. Die Verkehrsbetriebe Extertal (vbe)
als Streckeneigentümerin und die Kommunale Verkehrsgesellschaft unterstützen die Realisierung.
Im Fall einer Förderzusage kann in Lippe die Entwicklung des MONOCAB-Systems gemeinsam mit den
Partnern vorangerieben werden. Zudem würden die Fahrzeuge erstmals in komplexen
Betriebsszenarien automatisiert fahren. „Das ist natürlich unser Anspruch: Innovationen aus Lippe
für Lippe zu entwickeln und zu halten. Die selbstfahrenden Fahrzeuge sind ein klarer
Standortvorteil. Sie stärken die Lebensqualität vor Ort, indem sie Chancengleichheit und
Gerechtigkeit in der Mobilität bieten, Arbeitsplätze schaffen und die wirtschaftliche Entwicklung
vorantreiben”, sagt Haase. „Dafür arbeiten der Kreis, Ehrenamtliche, die TH OWL und die regionale
Wirtschaft in Lippe eng zusammen.“
Ein weiterer wesentlicher Meilenstein wird in diesem Jahr zudem die Gewinnung von Investoren für
das MONOCAB-System sein, um den Übergang von einem wissenschaftlichen Projekt zu einem
regulären Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einzuläuten. „Investoren erwarten
belastbare Aussagen zur tatsächlichen Transportkapazität des Systems, ein klar definiertes Markt-
und Kundenpotenzial sowie Rahmenbedingungen für eine Zulassung. Daran arbeiten wir gerade mit
Hochdruck“, erzählt Krahl.
Zuletzt erhielt das Projekt den REGIOSTARS Award 2025 der Europäischen Kommission. „Diese
Auszeichnung unterstreicht den Beitrag des MONOCAB-Systems zum Leitmotiv ‚The Right to Stay‘. Es
zielt darauf ab, ländliche Regionen durch innovative Infrastruktur- und Mobilitätslösungen zu
stärken und Abwanderung entgegenzuwirken“, berichtet Thorsten Försterling, Ideengeber für die
MONOCABs. Das System zur Wiederbelebung ländlicher Eisenbahnstrecken war eines von fünf
erfolgreichen Projekten in ganz Europa – und das einzige aus Deutschland.
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Hintergrund zum Projekt
Das Projekt MONOCAB nahm 2018 seinen Anfang, als der Landeseisenbahn Lippe e. V. mit der Idee
„Kreiselstabilisierte Einschienen-MONOCABs auf ländlicher Bahnstrecke” 2018 den Deutschen
Mobilitätspreis gewann. Die Grundidee stammt von Vereinsmitglied Thorsten Försterling und wurde
von Jochen Brunsiek sowie dem gesamten Verein maßgeblich unterstützt. Zur Weiterentwicklung
des Vorhabens schloss sich der Verein im Jahr 2020 mit der TH OWL, Hochschule Bielefeld (HSBI)
und dem Fraunhofer IOSB-INA zusammen. Es erfolgte eine grundlegende Validierung des Systems.
Heute wird das MONOCAB durch mehrere von Bund und Land NRW geförderte Projekte in
Zusammenarbeiten mit vielen überwiegend regionalen Partnern weiterentwickelt, auch als
Demonstrator im Rahmen des Deutschen Zentrums für Mobilität der Zukunft am RailCampus OWL.
Seit Beginn begleiten zudem der Kreis und die VBE das Projekt als assoziierte Partner. Im Jahr 2022
fasste der Kreistag einen politischen Beschluss, der das Vorhaben zusätzlich untermauerte.
Hintergrund zur Strecke
Der bisherige Testbetrieb der MONOCABs wurde mit Unterstützung der vbe, der Gemeinde Extertal
und der Firma Holz Bröker durchgeführt, auf deren Gelände das Forschungsvorhaben stattfindet. Die
Testfelder befinden sich auf einem stillgelegten Abschnitt der Extertalbahn zwischen Bösingfeld und
Nahlhof. Nach Abstimmung mit dem zuständigen Aufgabenträger für den SPNV in der Region, dem
Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), und der vbe kann der nun betrachtete Abschnitt
der Begatalbahn ebenfalls für Tests mit dem MONOCAB genutzt werden. Eine mögliche
Reaktivierung der Begatalbahn wird durch den geplanten Testbetrieb nicht ausgeschlossen. Dieser
hat keinerlei Einfluss auf eine spätere Reaktivierung der Strecke für den regulären Betrieb.

Quelle: Pressestelle Kreis Lippe

Foto: Peter Wehowsky