Keine Chance für digitale Gewalt

Meldung vom 27. Dezember 2020,
Allgemein

Jugendschutzkalender Lippe 2021 thematisiert sexualisierte Bilder in sozialen Netzwerken.

Der Jugendschutzkalender 2021 rückt das Thema der gewaltdarstellenden und insbesondere sexualisierten Bilder in sozialen Netzwerken in den Vordergrund. Entworfen und herausgegeben wurde der Kalender von den lippischen Stadtjugendämtern Bad Salzuflen, Detmold, Lage, Lemgo und dem Kreisjugendamt Lippe.

Eine Studie aus Österreich aus dem Jahr 2018 zum Thema „Sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet in den Lebenswelten der 11- bis 18-Jährigen“ (vom Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag von SOS-Kinderdorf Österreich und Rat auf Draht) kommt zu dem Ergebnis, dass jeder Fünfte jugendliche Mensch bereits Nacktfotos oder Nacktvideos zugeschickt bekommen hat, die unerwünscht waren. Am häufigsten passiert dies auf WhatsApp (51 Prozent), Instagram (41 Prozent), Snapchat (46 Prozent), Facebook (35 Prozent), bei Dating Apps (21 Prozent) und in Chatrooms (23 Prozent).

„Diese Zahlen dürften für Deutschland übertragbar und aktuell sogar noch gestiegen sein“, vermuten die Jugendschutzbeauftragten aus Lippe und eine aktuelle Umfrage bestätigt das.  Für den neuen Welt-Mädchenbericht „Free to be online – Erfahrungen von Mädchen und jungen Frauen mit digitaler Gewalt“ hat Plan International 14.000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren in 22 Ländern der Welt zu ihren Erfahrungen in den sozialen Medien befragt und herausgefunden: 58 Prozent der Mädchen haben Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen erlebt. In Deutschland sind es sogar 70 Prozent. Der Alltag von Mädchen und Frauen in den sozialen Netzwerken ist geprägt von solchen Vorfällen und häufig auch von Strategien, um sie zu vermeiden.

Das bewusste gewalttätige Überschreiten von Grenzen durch die Übermittlung sexueller Bilder gibt den Absendenden ein Gefühl von Macht und Stärke, weil die negative Wirkung bekannt ist: Die Empfänger können sich der Sichtung des aufgezwängten Bildes nicht verwehren. Der Schutz der Anonymität im Netz spielt Straftätern dabei in die Karten.

Der Jugendschutzkalender aus Lippe möchte Mut machen, sich Hilfe zu holen, sich zu wehren und dies auch mit Freunden, Eltern und ggf. in der Schule im Unterricht zu thematisieren. Jede Form der Gewalt ist schädlich, provoziert Ängste und Irritationen und kann sogar traumatisieren. Kinder und Jugendliche sollten damit nicht alleine sein, Straftaten sollten geahndet werden.

Genau hier setzt der Kalender an: Neben den Ansprechpartnern vor Ort werden auch Möglichkeiten aufgezeigt, sich anonym Hilfe zu holen. Über die Verteilung an weiterführenden Schulen im Kreisgebiet sollen auch in diesem Jahr sowohl Kinder und Jugendlichen als auch Erziehungsberechtigten für das Thema sensibilisiert werden.

Foto: Kreis Lippe

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