IHK Lippe wertet Konjunkturumfrage im Frühjahr aus
Meldung vom 19. Mai 2026,
Allgemein
Die wirtschaftliche Lage in Lippe hat sich eingetrübt. Und auch für die nächsten Monate erwarten die Unternehmen keine spürbare Besserung. Branchenübergreifend klagen sie über investitionshemmende Rahmenbedingungen und sprunghaft gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Auch die Arbeitskosten belasten die Unternehmen massiv. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe) im Frühjahr 2026. An der Umfrage in der Zeit vom 13. bis 26. April haben sich 167 Unternehmen beteiligt.
Volker Steinbach, Präsident der IHK Lippe, mahnt die Politik zu Zusammenhalt und fordert grundlegende Reformen: „Die Wirtschaft ist enttäuscht von der Zögerlich- und Mutlosigkeit der Regierung. Die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit muss an erster Stelle stehen. Nach jahrelangem Stillstand und Fahren auf Verschleiß benötigen wir eine „Generalüberholung“ mit tiefgreifenden Strukturreformen und Geschwindigkeit in der Umsetzung.“
Um Deutschland wieder auf Spur zu bringen, sei vor allem konstruktive Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg gefragt. „Es hilft der Regierung, Vertrauen zurückzugewinnen, indem sie endlich deutlich macht, am selben Strang zu ziehen und dieselben Ziele zu verfolgen. Polarisierung hilft keinem“, mahnt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe Svenja Jochens.
Grund für die harsche Kritik der IHK Lippe sind die düsteren Geschäftserwartungen. Branchenübergreifend erwarten nur 7 Prozent der Betriebe, dass sich das Geschäft innerhalb eines Jahres verbessern wird (-9 Prozent gegenüber Herbst 2025). Der Anteil der Pessimisten verdoppelt sich fast auf nun 33 Prozent (+17 Prozent). Mit Beginn des Krieges im Nahen Osten hat sich die wirtschaftliche Erwartung deutlich eingetrübt. Die Auswirkungen des Konflikts treffen viele Unternehmen und Verbraucher:innen mit voller Wucht. Die Unsicherheit ist gestiegen.
Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen durchwachsen ein. So berichten branchenübergreifend 46 Prozent der Unternehmen in Lippe derzeit von einer „befriedigenden“ Situation (-4 Prozent gegenüber dem Herbst 2025). Der Anteil der Unzufriedenen steigt jedoch auf 33 Prozent (+4 Prozent). Nur knapp ein Viertel der Unternehmen beurteilt die aktuelle Situation als „gut“ (unverändert).
Die Industrie steht unter Druck: „Die Kapazitäten sind nicht ausgelastet. Die schwache Nachfrage verschärft die Wirkung hoher Kosten. Die Unternehmen können Preissteigerungen kaum weitergeben. Es fehlen vor allem Aufträge“, analysiert Steinbach.
Im Handel trübt sich das Bild deutlich ein: „Die Stimmung ist sehr gedrückt, geprägt von enormer Kaufzurückhaltung und hoher Unsicherheit. Die Verbraucher haben in den Krisenmodus geschaltet und sparen“, berichtet Steinbach.
Das Gastgewerbe befindet sich in einer stark angespannten wirtschaftlichen Lage. Viele Restaurants, Cafés und Hotels in Lippe kämpfen mit Kosten deutlich über Vorkrisenniveau. „Der Druck auf dem Kessel ist trotz der teils reduzierten Mehrwertsteuer brutal hoch“, so Steinbach.
Die Stimmung im Dienstleistungssektor kühlt sich spürbar ab. Die laufenden Geschäfte sind vielerorts noch akzeptabel, doch die Erwartungen sind stark eingebrochen. Besonders der Bau, die Logistik, tourismusnahe Dienstleistungen und investitionsnahe Services stehen unter Druck.
Der Geschäftsklima-Index der IHK Lippe sinkt von 98 Punkten im Herbst auf 83 Punkte im Frühjahr 2026. Der Index visualisiert die Salden der Geschäftslage und -erwartungen der Unternehmen. Dabei signalisieren 100 Punkte aus technischer Sicht eine ausgeglichene Stimmung. Seit der ersten Erhebung der Daten in 1993 hat sich in Lippe ein langjähriger, positiver Durchschnitt von 108 Punkten etabliert, Tendenz sinkend.
Quelle & Foto: Industrie -und Handelskammer Lippe zu Detmold












