Fünf weitere Stolpersteine halten die Erinnerung wach
Meldung vom 16. Mai 2025,
Allgemein
Detmold hat jetzt 33 Stolpersteine. Darauf stehen 33 Namen von Menschen, die die meisten von uns nicht gekannt haben. Hinter diesen Namen verbergen sich menschliche Schicksale, die wir uns heute nur schwer vorstellen und kaum aushalten können, wenn uns jemand davon erzählt. Genau das macht das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aber besonders greifbar. Und genau deshalb war die Verlegung weiterer fünf Stolpersteine in unserer Stadt in dieser Woche besonders eindrücklich, bedrückend und Gemeinschaft stiftend.
Gemeinsam mit Vertretenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe und Schülerinnern und Schülern der Kussselberg-Schule und des Gymnasiums Leopoldinum hat Bürgermeister Frank Hilker die neuen Gedenksteine enthüllt. „Hass uns Hetze sind trauriger Weise in diesen Tagen an der Tagesordnung. Deshalb ist es wichtiger denn je, dass wir immer wieder daran erinnern, was in dem dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit geschehen ist“, sagte Bürgermeister Frank Hilker bei der Enthüllung der Stolpersteine zunächst in Pivitsheide. Wichtige Stationen der Geschichte von Eduard, Wilhelm und Emma Höveler, die einst an der Oerlinghauser Straße 122 zu Hause waren, haben Annette Kreiling und Gerd Vogel an Ort und Stelle vorgetragen. Sie sind zwei der sechs Enkel der Familie Höveler, die zum Teil von weither angereist waren, um bei der Gedenkstunde dabei zu sein. Als Zeugen Jehovas wurden Eduard, sein Bruder Wilhelm und dessen Ehefrau Emma Höveler von den Nationalsozialisten verfolgt, mussten Zwangsarbeit und Konzentrationslager ertragen, haben das Martyrium jedoch lebend überstanden und wurden schließlich befreit.
Schülerinnen und Schüler der benachbarten Kusselberg-Schule, die sich künftig um die Pflege der Stolpersteine kümmern, haben das Gedenken mit einem Mut machenden gemeinsamen Lied begleitet und sangen „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen“.
Zwei weitere Stolpersteine wurden im Anschluss in der Innenstadt enthüllt, vor dem Haus Lange Straße 36 – dem Gebäude, in dem Frieda und Eduard Kauders einst ihr Schuhgeschäft „Teutonia“ führten und zugleich auch zu Hause waren. Dass dies das einzige Geschäft in Detmold war, in dem Stiefel für die Wehrmachtsoldaten erhältlich waren, hielt die Nationalsozialisten nicht davon ab, das Ehepaar jüdischen Glaubens zu denunzieren, zu beschimpfen und zu demütigen, um sie schließlich über Bielefeld und Theresienstadt bis nach Auschwitz zu deportieren.
Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Leopoldinum machten in einem bedrückenden szenischen Spiel klar, wie machtlos Frieda und Eduard Kauders der Nazi-Willkür ausgeliefert waren. Sie wurden am Ende ermordet. Ein Ensemble von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums unter der Leitung von Dirk Brinkschmidt sorgte für die musikalische Begleitung des „besonderen Akts des Gedenkens, der Erinnerung und der Verantwortung“, wie Schulleiterin Dr. Alexandra Nolte die Verlegung der Stolpersteine beschrieb. Sie betonte zudem die Wichtigkeit des „Ortes der Mahnung und der Hoffnung“. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Leopoldinum werden sich als Paten künftig um die Pflege der kleinen Kunstwerke aus Messing und Beton kümmern.
Mit einem jüdischen Segenswunsch schloss Petra Hölscher, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das bewegende Gedenken in der Innenstadt: „Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens – die Stolpersteine halten die Erinnerung wach und sorgen dafür, dass die Verstorbenen immer ein Teil unserer Stadtgemeinschaft bleiben.“
Quelle & Foto: Pressestelle Stadt Detmold












