In der Notfallversorgung läuft bei den Patientenströmen einiges schief.
Umso wichtiger ist die Fortbildung des ärztlichen Personals. Dass die Ärztinnen
und Ärzte in der Intensiv- und Notfallmedizin auf höchstem Niveau arbeiten kön-
nen, dafür veranstaltet der Marburger Bund NRW/RLP am morgigen Samstag (31.08.24) ab
9 Uhr am Klinikum Lippe in Detmold im dortigen Campus (Robert-Koch-Straße
2a) eine hochkarätige Notfall-Fortbildung. Neben zahlreichen medizinischen
Workshops werden auch verschiedene Referenten die aktuelle Situation in der
Notfallversorgung beleuchten. Die Situation ist seit Jahren mehr als heikel.
„Wir erleben täglich in Notaufnahmen und im Rettungsdienst, dass die KV ihrem
Sicherstellungsauftrag rund um die Uhr zunehmend nicht mehr gerecht wird. Die
Zentralen Notaufnahmen (ZNA) klagen bereits zu Praxisöffnungszeiten, dass Pati-
enten, die definitiv in den Zuständigkeitsbereich der KV gehören, regelmäßig –
und statistisch vorhersagbar – zu Überlastungssituationen der ZNA führen“, bilan-
ziert Daniel Fischer (Notfallmediziner und Vorsitzender des MB-Bezirks Detmold).
„Ihrem originären Auftrag, kritisch kranke Patienten zu stabilisieren, können Not-
aufnahmen zunehmend nicht mehr vollumfänglich nachkommen. Es kommt flä-
chendeckend zu Überfüllungen von ZNA und damit zu zunehmenden Problemen
für den Rettungsdienst, ihre Patienten zeitnah in geeignete Kliniken zu bringen.
Dabei ist die Sicherstellung der Notfallversorgung zu jeder Zeit ist ein entschei-
dendes und unverzichtbares Element unserer Daseinsvorsorge“, heben Dr. med.
Patricia Kalle Droste, die Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme im Johan-
nes Wesling Klinikum Minden, und Daniel Fischer (Chefarzt der Notaufnahme am
Klinikum Lippe) hervor.
„Grundsätzlich liegt der Versorgungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung
bei der Kassenärztlichen Vereinigung und die Krankenhäuser stellen die statio-
näre Notfallversorgung sicher. Als drittes Element der Notfallversorgung kommt
der Rettungsdienst (RD) hinzu“, erläutert Dr. med. Hans-Albert Gehle (Vorsitzen-
der des Marburger Bundes NRW/RLP)

„Der Rettungsdienst wird zunehmend zu Patienten gerufen, die ebenfalls in den
Zuständigkeitsbereich der KV gehören. Zudem werden aufgrund des Ärzteman-
gels die Öffnungszeiten der KV-Notfallpraxen immer weiter reduziert. Das macht
sich in Notaufnahmen durch ein noch höheres Patientenaufkommen bemerkbar.
Sie fungieren mittlerweile als „letzte Wiese“ im System, da sie jederzeit zur Ver-
fügung stehen muss“, unterstreicht Dr. med. Patricia Kalle Droste.
Wie sähe eine Lösung aus? „Um die ständige Überlastung der ZNA und des RD zu
verhindern, müssen wir weg von der sektorübergreifenden Notfallversorgung hin
zur patientenzentrierten Notfallversorgung. Was braucht der Patient? Der Ver-
sorgungsbedarf des Patienten muss objektiv festgestellt werden. Hierzu sind vali-
dierte Ersteinschätzungsinstrumente einzusetzen, die die Versorgungsebene und
den Zeitraum der Versorgung festlegen. Wer versorgt den Patient? Patienten
sind verlässlich in die geeignete Versorgungsebene zu steuern. Es ist dafür Sorge
zu tragen, dass er dort auch ankommt und adäquat versorgt wird“, unterstreicht
Daniel Fischer, der die außergewöhnliche Notfall-Fortbildung organisiert hat.
„Es ist nicht akzeptabel, wenn (Not-)Ärztinnen und (Not-)Ärzte einen Großteil der
gesamten Notfallversorgung – insbesondere nachts und am Wochenende – si-
cherstellen. Jede Patientin und jeder Patient hat Anspruch auf eine qualitativ
hochwertige Notfallbehandlung, aber die Anliegen der Patienten müssen rund
um die Uhr konsequent gesteuert werden. Ärztinnen und Ärzte müssen so ent-
lastet werden, dass sie sich ihren Kernaufgaben widmen können – in Praxen, in
Kliniken und im Rettungsdienst, bemängelt DR. med. Patricia Kalle Droste.
Ein flächendeckendes System von Portalpraxen an Krankenhäusern in NRW sollte
Notfall-Patienten über einen zentralen Empfang und ein strukturiertes Erstein-
schätzungssystem nach Schweregrad und Dringlichkeit der nötigen Behandlung
zum richtigen Behandlungsort weiterleiten. Entweder in Notfalldienstpraxen nie-
dergelassener Ärztinnen und Ärzte oder in die ZNA des Krankenhauses oder – zu
regulären Sprechzeiten – in eine ambulante Arztpraxis. Die weitere Behandlung
soll am richtigen Behandlungsort erfolgen. Das ist die richtige Patientensteue-
rung. Die Referentenentwürfe zur Reform der Notfallversorgung aus Berlin zei-
gen zwar richtige Ansätze, sind aber von einem durchgängigen und praktikablen
Gesamtkonzept zur Patientensteuerung noch weit entfernt.

Quelle: Klinikum Lippe & Marburger Bund

Foto: Marburger Bund